P.A.R.T.Y.-Tag im Bundeswehrkrankenhaus Westerstede
Aktuelles- Datum:
- Ort:
- Westerstede
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- 2 MIN
Zum siebten Mal fand im Klinikzentrum Westerstede der P.A.R.T.Y.-Tag (Prevent Alcohol and Risk-Related Trauma in Youth) statt – ein Präventionsprogramm, das das Risikobewusstsein Jugendlicher im Straßenverkehr schärfen und ihnen helfen soll, in kritischen Situationen kluge Entscheidungen zu treffen.
Im Mittelpunkt des Präventionstages stand die Sensibilisierung der Teilnehmenden hinsichtlich der Gefahren im Umgang mit Alkohol und Drogen im Straßenverkehr
Bundeswehr/Christian KöckritzDrei Abschlussklassen der Oberschule Hesel durchliefen dabei realitätsnahe Stationen des Rettungs- und Behandlungsablaufs und erfuhren, welche schwerwiegenden Konsequenzen vermeidbare Unfälle haben können.
Den Auftakt der Veranstaltung bildete ein Vortrag über vermeidbare Traumata nach Verkehrsunfällen. Anhand realer Fälle aus der Vergangenheit – unter anderem von Unfällen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss – wurde aufgezeigt, wie sehr riskantes Verhalten im Straßenverkehr Leben verändern kann. Diese Beispiele unterstrichen eindrücklich die Bedeutung des Präventionstages: Unfälle können passieren, aber Unfälle unter Drogen- oder Alkoholeinfluss sind vermeidbar.
Anschließend hielt die Polizei einen Fachvortrag zu Alkohol und Drogen. Dabei wurde erläutert, wie schnell gefährliche Promillewerte entstehen und wie langsam Alkohol abgebaut wird. Auch die Wirkungsdauer und Nachweisbarkeit von Cannabis wurde anschaulich dargestellt. Die Botschaft war klar: Fehleinschätzungen im Straßenverkehr können lebenslange Konsequenzen bedeuten – für Opfer und Täter.
Nach den Vorträgen wurden die Jugendlichen in vier Gruppen eingeteilt und durchliefen jeweils vier Stationen des Rettungs- und Behandlungsablaufs. An einer simulierten Unfallstelle erlebten sie, wie Rettungsdienst und Notarzt vorgehen und welche Entscheidungen in den ersten Minuten überlebenswichtig sind. Im Schockraum wurde die Wichtigkeit des Zeitmanagements in Teams aus mehreren Fachdisziplinen deutlich gemacht – hier wird die Grundlage für den weiteren Therapieverlauf gelegt.
Auf der Intensiv- und der Normalstation wurde den Jugendlichen gezeigt, wie langwierig und belastend der Weg zurück ins Leben für Unfallopfer sein kann. Schließlich konnten die Jugendlichen selbst erleben, wie es sich anfühlt, mit Einschränkungen umzugehen. Dazu dienten beispielsweise ein Rollstuhl, eine die Sicht einschränkende Brille oder Verbände zur Beeinträchtigung der Bewegungsfreiheit.
Nach der Mittagspause folgte ein Vortrag der Neurochirurgie. Dabei wurde erklärt, wie bereits kleinste Blutungen im Gehirn schwere Schäden verursachen können und dass insbesondere Kopfverletzungen das Leben dauerhaft verändern können. Es wurde auch verdeutlicht, wie viel Kraft und Geduld der Wiederaufbau grundlegender Fähigkeiten erfordert, wie etwa das Bewegen eines Fingers oder das selbstständige Aufstehen.
Ein besonders eindrucksvoller Teil des Tages war der Beitrag eines jungen ehemaligen Traumapatienten. Er berichtete, wie er nach einer Feier in ein Auto eingestiegen war, dessen Fahrer zu schnell in einer Kurve unterwegs war. Das Fahrzeug überschlug sich, und er überlebte nur knapp mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma nach einer lebensrettenden Operation. Heute lebt er ohne Einschränkungen, macht jedoch deutlich, wie viel Glück er hatte und dass er einen langen und harten Weg hinter sich hat, um wieder so leben zu können. Sein Appell an die Jugendlichen war klar: Sie sollten niemals in ein Fahrzeug einsteigen, wenn der Fahrer Alkohol konsumiert hat.
Zum Abschluss erhielten die Jugendlichen einen „Lebensvertrag“, mit dem sie sich selbst verpflichten sollen, niemals alkoholisiert am Straßenverkehr teilzunehmen und auch nicht zu tolerieren, dass andere das tun.
von Christian Köckritz