Eingebettet in eine der größten, vielfältigsten und spannendsten Wissenschaftsregionen Europas bietet das Bundeswehrkrankenhaus in Berlin aktiven als auch künftigen Forscherinnen und Forschern beste Voraussetzungen für die Realisierung ihrer Forschungsideen - im Studium sowie während Promotion und Habilitation.
Oberstarzt PDPrivatdozent Dr. med. Staffan Vandersee
Forschungskoordinator
Dr. Nadine Schäfer
Forschungsmanagerin und Sachgebietsleiterin Z5 Koordinierungsstelle für Forschung und Wissenschaft
In allen forschungsrelevanten Fragestellungen sieht sich die Koordinierungsstelle für Forschung und Wissenschaft des Bundeswehrkrankenhauses Berlin als ersten Anlaufpunkt. Die Aufgaben innerhalb unseres Forschungsmanagements sind vielfältig: Wir überblicken beispielsweise die Forschungsaktivitäten mittels Datenbanken, erstellen Prozesse, erleichtern Abläufe und sind Schnittstelle zwischen den Forschungsmanagements des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Insbesondere die Unterstützung der Forschenden während der individuellen Antragsphase bis hin zur Projektrealisierung stellt einen Schwerpunkt unseres Sachgebietes dar.
Andachtsort am Breitscheidplatz
Bundeswehr/Frank EggenTerroranschläge und Amokläufe haben in den Industrienationen in den letzten zwei Dekaden deutlich zugenommen. Die psychischen Folgen, die diese Taten bei Einsatzkräften und der Allgemeinbevölkerung hinterlassen, sind schwerwiegender als bei Naturkatastrophen. Entsprechend gilt dies auch für Soldaten bei Anschlägen und Feuergefechten in militärischen Auslandseinsätzen. Unterschiedliche, individualisierte Vor- und Nachbereitungen sind daher notwendig, um psychische Begleitreaktionen zu minimieren. Eine Differenzierung der psychischen Auswirkungen nach Berufsgruppe, Geschlecht und Ereignis ist dafür notwendig und wird mit der CASH-Studie adressiert.
Wissenschaftliche Leitung: Oberstarzt Dr. med. Gerd Willmund
Projektoffizier: Regierungsdirektor PDPrivatdozent Dr. rer. biol. hum. Ulrich Wesemann
Fachbereich: Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychotraumatologie
IBDoc Calprotectin Test
Bundeswehr/OFA Dr. BraaschDie Überwachung von Patientinnen und Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) in Remission erfolgt meist durch Befragung zu Beschwerden und durch eine Untersuchung von Entzündungswerten (z.B. Calprotectin) im Stuhl. Da Symptome und tatsächliche Entzündungen nicht immer übereinstimmen, kann ein Stuhltest helfen, die Entzündung genauer zu bestimmen. Dafür geben Patientinnen und Patienten eine Stuhlprobe in einem speziellen Röhrchen beim Arzt zur Analyse ab. In der vorliegenden Studie wird untersucht, wie gut Soldatinnen und Soldaten mit CED einen Stuhltest zur Selbstkontrolle nutzen können.
Die Studie dauert 12 Monate. Die 200 geplanten Teilnehmenden werden in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe testet sich auf den Entzündungsmarker Calprotectin mittels Stuhltest zunächst monatlich für 6 und nachfolgend alle drei Monate; die zweite Gruppe von Anfang an alle drei Monate. Der IBDoc®-Test wird dabei als Selbsttest im häuslichen Umfeld genutzt. Zusätzlich beantworten die Teilnehmenden Fragen zu ihrem Wohlbefinden und füllen nach 6 sowie 12 Monaten Fragebögen aus.
Ein zentrales Untersuchungsziel der Studie besteht in der Evaluation, ob die Teilnehmenden den Selbsttest akzeptieren und die Testzeitpunkte zuverlässig einhalten. Außerdem wird untersucht, ob der Test einfach zu handhaben ist, ob dadurch weniger Arztbesuche nötig sind und sich daher perspektivisch für Soldatinnen und Soldaten im Ausland oder einsatzgleichen Verpflichtungen eignet. Durch die Möglichkeit, ihre Krankheit eigenständig zu überwachen, können die Teilnehmenden selbst aktiv zur Kontrolle ihrer Gesundheit beitragen und frühzeitig auf Veränderungen reagieren.
Es bestehen Kooperationen im Rahmen der Patientengewinnung mit dem Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz sowie den Facharztzentren Leipzig, Warnemünde und Munster.
Wissenschaftliche Leitung / Projektoffizier: Oberfeldarzt Dr. med. Trixi Braasch
Fachbereich: Klinik für Innere Medizin
Abscannen von Bluttransfusionen
Bundeswehr/Mediendatenbank BwAnämie und die Transfusion von Blutprodukten stellen unabhängige Risikofaktoren für eine erhöhte Morbidität und Mortalität dar, insbesondere für Patientinnen und Patienten im perioperativen Setting. Wissenschaftlich belegte Maßnahmen zur Optimierung der Detektion und Therapie von Anämien sowie der Reduktion von Bluttransfusionen werden noch nicht hinreichend umgesetzt. Der Sanitätsdienst hat insbesondere auch vor dem Hintergrund von Notfall- und Einsatzmedizin eine besondere Verantwortung hinsichtlich des rationalen Umgangs mit der Hochwertressource Blutprodukt.
In diesem mehrphasigen Projekt soll zunächst der Status Quo der Umsetzung von blutsparenden Maßnahmen aller Bundeswehrkrankenhäuser evaluiert und anschließend optimiert werden. Es sollen Beauftragte für alle interessierten Kliniken identifiziert und eine Arbeitsgemeinschaft „Patient Blood Management“ gegründet werden.
Wissenschaftliche Leitung: Flottenarzt Prof. Dr. med Arnulf Willms (BwKrhsBundeswehrkrankenhaus Koblenz)
Projektoffizier: Oberstabsarzt Dr. med. Katja Schneider
Fachbereich: Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Studie Reisedurchfall
Bundeswehr/OFA Dr. BraaschReisedurchfall betrifft jeden 4. Reisenden, insbesondere bei kurzen Reisen (<30 Tagen) in die Tropen und Subtropen. Die USUnited States-amerikanischen Streitkräfte berichten über eine erhebliche Belastung der Einsatzfähigkeit in Konflikten der letzten Jahrzehnte durch Reisedurchfall, auch, weil im militärischen Kontext hygienische Prophylaxe nicht immer eingehalten werden kann. Eine abwartende Therapie mit Flüssigkeits- und Elektrolytersatz kann aus taktischen Gründen nicht möglich sein. Vor diesem Hintergrund wurden Einheiten der Bundeswehr mit häufigen Kurzzeiteinsätzen ab 2018 mit einer Taschenkarte zur Laieneinstufung der Krankheitssymptome sowie einem Antibiotikum zur Selbsttherapie ausgestattet. Bisher liegen keine Daten zu Reisedurchfall und dessen Auswirkungen bei deutschen Militärangehörigen vor. Daher verfolgt die Studie das Ziel, das Ausmaß der Betroffenheit in der Vergangenheit zu erfassen, potentielle Risikofaktoren zu identifizieren sowie zu untersuchen, ob die Betroffenen in der Lage waren, Reisedurchfall korrekt zu klassifizieren und wie empfohlen selbst zu therapieren.
Es bestehen Unterstützungsleistungen durch Beratung und Kooperation mit dem Kommando Gesundheitsversorgung, dem Ausbildungszentrum Spezialkräfte der Marine sowie dem Kommandoarzt Kommando Spezialkräfte.
Wissenschaftliche Leitung / Projektoffizier: Oberfeldarzt Dr. med. Trixi Braasch
Fachbereich: Klinik für Innere Medizin
Elektronische Gedächtnis- und Entscheidungshilfe für Notfälle in der Anästhesie
Bundeswehr/OFA Dr. SteidlDie Anästhesie und Notfallmedizin stellt eine interdisziplinäre Schnittstelle in der Patientenversorgung dar, an der zahlreiche potentielle Fehlermöglichkeiten auftreten können. Trainings und Simulationen bieten eine gute Vorbereitung auf Situationen, welche im klinischen Alltag selten sind.
Ein effektives Training, wie das Konzept Elektronische Gedächtnis- und Entscheidungshilfe für Notfälle in der Anästhesie (eGENA), kann die Versorgungsqualität steigern. Die Implementierung dieses Konzeptes am Bundeswehrkrankenhaus Berlin verfolgt das Ziel kognitive Entscheidungshilfen in den militärischen Versorgungsauftrag zu integrieren und vermeidbare Fehler in Akutsituationen zu analysieren und differenzieren.
Kooperationspartner ist das Klinikum Ernst von Bergmann Potsdam.
Wissenschaftliche Leitung: Oberstarzt Dr. med. Lutz Siegl
Projektoffizier: Oberfeldarzt Dr. med. Ricardo Steidl
Fachbereich: Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Schmerztherapie und Notfallmedizin
Erweiterte Pupille
Bundeswehr/Mediendatenbank BwDas Koma ungeklärter Ursache ist eine notfallmedizinische und interdisziplinäre Herausforderung mit nur unbefriedigender Korrelation zwischen Arbeitsdiagnose und finaler Diagnose. Objektive Untersuchungsinstrumente mit POCPoint of Contact-Einsatzmöglichkeit für Diagnostik und Prognostik fehlen oder sind noch nicht ausreichend verbreitet.
Ziel der aktuellen Studie ist die Untersuchung, ob der Einsatz der quantitativen Pupillometrie die Ursachenabklärung von Patienten mit quantitativer Bewusstseinsstörung unklarer Genese unterstützen kann und ob Parameter der quantitativen Pupillometrie mit den Kategorien von Ursachen unklarer Bewusstseinsstörungen korrelieren.
Es handelt sich hierbei um eine prospektive multizentrische Beobachtungsstudie unter Beteiligung von 16 Zentren einschließlich der koordinierenden Abteilung für Neurologie der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Wissenschaftliche Leitung: Flottenarzt PDPrivatdozent Dr. med. Florian Masuhr
Projektoffizier: Medizinaldirektor Dr. med. Frank Stachulski
Fachbereich: Klinik für Neurologie
Historische Gebäudeansicht Bundeswehrkrankenhaus Berlin
Bundeswehr/Archiv Bundeswehrkrankenhaus BerlinTrotz der ereignisreichen Geschichte des Krankenhauses im Herzen Berlins ist bisher keine umfangreichere und methodensichere Bearbeitung dieser aus medizinhistorischer Perspektive erfolgt. Der Schwerpunkt der Aufarbeitung liegt auf internen Entwicklungen der Institution im Kontext allgemeiner politischer wie (militär)medizinischer Veränderungen von der Gründungsphase in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur aktuellen Einbettung des Hauses in den Unterstützungsbereich (UstgBer) der Bundeswehr.
Ziel ist die Erstellung einer historisch-kritischen Chronologie und Darstellung der umfangreichen Geschichte des Bundeswehrkrankenhauses Berlin mit Schwerpunkt auf prägnante Ereignisse und Entwicklungsschritte des Hauses.
Wissenschaftliche Leitung: Oberstarzt Prof. Dr. med. dent. Ralf Vollmuth (ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr)
Projektoffizier: Oberstabsarzt Dr. med. Philipp Then
Fachbereich: Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Schmerztherapie und Notfallmedizin
DRF Hubschrauber mit Rettungswinde
DRF LuftrettungDas Forschungsprojekt HELI-TEAM untersucht die Teamperformance bei hochintensiven Einsätzen an der Rettungswinde, an denen Ärztinnen und Ärzte, Notfallsanitäterinnen und -sanitäter der Bundeswehr und Berliner Feuerwehr sowie Piloten der DRF Luftrettung beteiligt sind.
Die Teamzusammensetzung auf dem Rettungshubschrauber Christoph 100, eine Kooperation zwischen Bundeswehr, Berliner Feuerwehr und DRF Luftrettung, ist in dieser Konstellation einmalig.
Das Simulationstraining soll wertvolle Erkenntnisse liefern und Fähigkeiten vermitteln, die die Einsatzbereitschaft und Effizienz in komplexen Rettungsszenarien und die zivil-militärische Zusammenarbeit verbessern.
Wissenschaftliche Leitung: Oberfeldarzt Dr. med. Sophia Wilk-Vollmann, DESAIC
Projektoffizier: Oberstabsarzt Jonas Hanshans
Fachbereich: Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Schmerztherapie und Notfallmedizin
Evaluation notfallchirurgischer Schlüsselmanöver
Bundeswehr/OFA Dr. HauerDas Verbluten stellt die häufigste, potentiell überlebbare Todesursache von Soldatinnen und Soldaten auf dem Gefechtsfeld dar. Zu den Kernkompetenzen des Einsatzchirurgen der Bundeswehr gehört daher die Fähigkeit zur schnellen chirurgischen Blutungskontrolle. Konflikttypische Verletzungsmuster müssen erlernt werden, die in Deutschland selten vorkommen, deren Beherrschung aber in Kriegs- und Krisensituationen unverzichtbar ist. Um diesen besonderen Bedingungen Rechnung zu tragen wurde in der Bundeswehr ein spezielles Ausbildungskonzept für die Einsatzchirurgie entwickelt, das neben einer breitgefächerten allgemeinchirurgischen Ausbildung verschiedene Kurse und Lehrgänge zum Training notfallchirurgischer Schlüsselmanöver beinhaltet.
Im Forschungsschwerpunkt steht aktuell die Messung und Evaluation von Stress der Teilnehmenden während des Trainings. Die Ermittlung von Stress erfolgt sowohl durch subjektive Einschätzung der Teilnehmenden, als auch durch objektive Parameter. Es soll untersucht werden, inwiefern Stress in Verbindung mit einem subjektiven Lernerfolg steht und wie sich die drei unterschiedlichen Trainingsmodalitäten hinsichtlich des erfahrenen Stresslevels für die Teilnehmenden unterscheiden.
Es besteht eine Kooperation mit der Charité Universitätsmedizin Berlin, dem Psychotraumazentrum der Bundeswehr, der klinischen Psychologie am Bundeswehrkrankenhaus Berlin sowie dem Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Bundeswehr.
Wissenschaftliche Leitung / Projektoffizier: Oberfeldarzt Dr. med. Thorsten Hauer
Fachbereich: Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie